Mit dem Fahrrad mobiler werden

Sich selbstständig fortbewegen zu können, erweitert den eigenen Aktionsradius und eröffnet neue Möglichkeiten der Teilhabe am öffentlichen Leben. Deshalb ist Mobilitäts- und Verkehrserziehung ein wichtiger Bestandteil unseres Unterrichts.

Für einige unserer Schüler*innen spielt dabei das Fahrradfahren eine besondere Rolle. Wer ein Fahrrad zunehmend sicher beherrscht, gewinnt nicht nur an Bewegungsfähigkeit, sondern kann Wege selbstständiger zurücklegen und damit ein Stück persönliche Unabhängigkeit gewinnen.

Schritt für Schritt zum sicheren Radfahren

Die Voraussetzungen unserer Schüler*innen sind unterschiedlich. Während einige zunächst grundlegende Bewegungsabläufe und das Gleichgewicht auf dem Fahrrad erlernen, können andere bereits sicher fahren und sich mit zunehmend komplexeren Verkehrssituationen beschäftigen.

Das Radfahrtraining setzt deshalb am jeweiligen Können an. Zunächst kann in einem geschützten Raum geübt werden, bevor weitere Anforderungen hinzukommen.

Zu den grundlegenden Fähigkeiten gehören beispielsweise:

  • sicher aufsteigen, anfahren und anhalten
  • Gleichgewicht halten und die Fahrspur einhalten
  • lenken und gezielt die Richtung verändern
  • Geschwindigkeit anpassen und kontrolliert bremsen
  • Hindernisse wahrnehmen und umfahren
  • gleichzeitig fahren, beobachten und auf die Umgebung reagieren

Erst wenn grundlegende Fahrfertigkeiten ausreichend sicher sind, können komplexere Anforderungen der Verkehrsteilnahme stärker in den Mittelpunkt rücken.

Mehr als Fahrradfahren

Sicher mit dem Fahrrad unterwegs zu sein bedeutet weit mehr, als das Fahrzeug technisch beherrschen zu können. Im Straßenverkehr müssen zahlreiche Informationen gleichzeitig wahrgenommen, verarbeitet und in eigenes Handeln umgesetzt werden.

Die Schülerinnen lernen deshalb, *Verkehrszeichen und Signale wahrzunehmen, andere Verkehrsteilnehmerinnen zu beobachten, Abstände einzuschätzen und auf unterschiedliche Situationen angemessen zu reagieren*.

Auch Rücksichtnahme und vorausschauendes Verhalten gehören dazu. Wer Fahrrad fährt, muss nicht nur das eigene Handeln kontrollieren, sondern auch damit rechnen, dass andere Verkehrsteilnehmer*innen unerwartet reagieren können.

Verkehrssituationen praktisch üben

Ein wichtiger Bestandteil unserer Verkehrserziehung ist deshalb das praktische Training.

In Zusammenarbeit mit der Jugendverkehrsschule der Polizei können typische Situationen zunächst unter überschaubaren Bedingungen geübt werden. Auf einem Übungsparcours beschäftigen sich die Schüler*innen beispielsweise mit Kreuzungen, Kreisverkehren, Hindernissen oder veränderten Verkehrsführungen.

Wiederholtes Üben hilft dabei, einzelne Handlungsabläufe zunehmend zu festigen. Aus vielen einzelnen Fähigkeiten – schauen, bremsen, lenken, warten, entscheiden und weiterfahren – entwickelt sich Schritt für Schritt sicheres Verhalten.

Wahrnehmen, entscheiden und handeln

Gerade beim Fahrradfahren wird deutlich, wie viele unterschiedliche Fähigkeiten für eine sichere Verkehrsteilnahme zusammenspielen.

Die Schüler*innen müssen ihre eigene Bewegung koordinieren und gleichzeitig ihre Umgebung beobachten. Sie müssen erkennen, welche Informationen wichtig sind, Regeln anwenden und Entscheidungen treffen – und all dies häufig innerhalb kurzer Zeit.

Deshalb werden die Anforderungen individuell angepasst. Sicherheit geht dabei immer vor Selbstständigkeit. Der nächste Schritt erfolgt erst dann, wenn die dafür notwendigen Fähigkeiten ausreichend entwickelt und gefestigt sind.

Mobilität schafft Selbstständigkeit

Verkehrserziehung hat für uns ein übergeordnetes Ziel: Unsere Schüler*innen sollen lernen, sich entsprechend ihren individuellen Möglichkeiten möglichst sicher und selbstständig in ihrer Umwelt zu bewegen.

Das Fahrrad kann dabei ein wichtiges Verkehrsmittel sein. Es erweitert den Bewegungsradius und ermöglicht es, Wege zurückzulegen, Ziele zu erreichen und zunehmend unabhängig von der Begleitung anderer zu werden.

Gleichzeitig werden beim Radfahren zahlreiche Fähigkeiten miteinander verbunden: Motorik und Koordination, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, Orientierung, Regelverständnis, Gefahreneinschätzung, Rücksichtnahme und eigenverantwortliches Handeln.

Das Radfahrtraining ist deshalb weit mehr als das Erlernen einer sportlichen Fertigkeit. Es ist ein wichtiger Baustein unserer Mobilitäts- und Verkehrserziehung – und damit auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe.