Praktika in der Berufsschulstufe
Die Vorbereitung auf das Leben nach der Schule und die Teilhabe am Arbeitsleben sind zentrale Aufgaben der Berufsschulstufe (BS). Neben arbeits- und berufsorientierenden Lernangeboten in der Schule spielen dabei Praktika eine besonders wichtige Rolle.
Sie ermöglichen unseren Schüler*innen, Arbeitsplätze, Tätigkeiten und betriebliche Abläufe unmittelbar kennenzulernen und eigene Erfahrungen außerhalb des vertrauten schulischen Umfelds zu sammeln.
Arbeitswelt praktisch erleben
Ein Praktikum stellt andere Anforderungen als der Schulalltag. Die Schüler*innen begegnen neuen Menschen, arbeiten in einer ungewohnten Umgebung und lernen andere zeitliche und organisatorische Abläufe kennen.
Dabei erfahren sie, was es bedeutet, regelmäßig an einem Arbeitsplatz tätig zu sein, Arbeitsaufträge zu verstehen und auszuführen, Arbeits- und Pausenzeiten einzuhalten und mit anderen Menschen am Arbeitsplatz zusammenzuarbeiten.
Solche Anforderungen können im Unterricht vorbereitet werden – unmittelbar erfahrbar werden sie jedoch erst an einem realen Arbeitsplatz.
Unterschiedliche Arbeitsbereiche kennenlernen
Die beruflichen Möglichkeiten, Interessen und Voraussetzungen unserer Schüler*innen sind unterschiedlich. Deshalb dienen Praktika dazu, verschiedene Tätigkeiten, Arbeitsbereiche und Formen der Beschäftigung kennenzulernen und praktisch zu erproben.
Je nach individuellen Voraussetzungen und beruflicher Perspektive können Erfahrungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, in Inklusionsbetrieben, in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) sowie in weiteren Angeboten zur Teilhabe am Arbeitsleben gesammelt werden.
Dabei geht es nicht darum, frühzeitig einen bestimmten beruflichen Weg festzulegen. Die Schüler*innen sollen unterschiedliche Möglichkeiten kennenlernen und herausfinden können, welche Tätigkeiten, Arbeitsbedingungen und Unterstützungsangebote zu ihnen passen.
Eigene Fähigkeiten und Interessen entdecken
Praktika ermöglichen es den Schüler*innen, sich selbst in einer neuen Rolle zu erleben.
Welche Tätigkeiten liegen mir? Was interessiert mich? Was kann ich bereits selbstständig? Wo benötige ich Unterstützung? Wie komme ich mit neuen Arbeitsabläufen und Anforderungen zurecht?
Durch unterschiedliche praktische Erfahrungen können berufliche Interessen entwickelt, überprüft und konkretisiert werden. Gleichzeitig lernen die Schüler*innen ihre eigenen Fähigkeiten und ihren Unterstützungsbedarf zunehmend besser einzuschätzen.
Praktika werden vor- und nachbereitet
Die praktische Erfahrung außerhalb der Schule ist eng mit dem Unterricht verbunden.
Vor einem Praktikum beschäftigen sich die Schüler*innen mit dem jeweiligen Arbeitsplatz, möglichen Tätigkeiten, Arbeitszeiten und Verhaltensregeln. Auch der Arbeitsweg, organisatorische Fragen und individuelle Ziele können gemeinsam vorbereitet werden.
Während des Praktikums werden die Schülerinnen am jeweiligen Praktikumsplatz begleitet. Zusätzlich hält die Schule Kontakt zu den Praktikumsstellen und besucht die Schülerinnen während ihrer praktischen Tätigkeit.
Nach dem Praktikum werden die gesammelten Erfahrungen in der Schule ausgewertet und entsprechend den individuellen Möglichkeiten dokumentiert und reflektiert. Gemeinsam wird betrachtet, was gut gelungen ist, welche Tätigkeiten besonders interessant waren, wo Schwierigkeiten aufgetreten sind und welche Erkenntnisse für die weitere Berufswegeplanung wichtig sind.
Unterschiedliche Formen von Praktika
Praktische Erfahrungen können sowohl gemeinsam in einer Lerngruppe als auch in Einzelpraktika gesammelt werden.
Gruppenbezogene Praktika ermöglichen erste Erfahrungen in einem neuen Arbeitsumfeld innerhalb einer vertrauten Gemeinschaft. Einzelpraktika bieten die Möglichkeit, einen Praktikumsplatz gezielt entsprechend den individuellen Interessen, Fähigkeiten und beruflichen Perspektiven auszuwählen.
Mit zunehmender Erfahrung können die Praktika immer stärker auf die persönliche Berufswegeplanung ausgerichtet werden.
Vorbereitung auf das Arbeitsleben
Praktika sind ein wichtiger Baustein auf dem Weg von der Schule in das Erwachsenen- und Arbeitsleben. Sie verbinden schulisches Lernen mit realen Erfahrungen und ermöglichen es, berufliche Möglichkeiten nicht nur kennenzulernen, sondern selbst auszuprobieren.
Dabei geht es unter anderem darum,
- unterschiedliche Tätigkeiten und Arbeitsbereiche kennenzulernen,
- grundlegende Arbeitshaltungen zu entwickeln und zu festigen,
- sich auf neue Personen, Orte und Tagesstrukturen einzustellen,
- eigene Interessen und Fähigkeiten besser einzuschätzen,
- Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein weiterzuentwickeln,
- den eigenen Unterstützungsbedarf wahrzunehmen und
- persönliche berufliche Perspektiven zu entwickeln.
So tragen Praktika wesentlich dazu bei, den Übergang von der Berufsschulstufe in das Arbeitsleben schrittweise, individuell und auf der Grundlage eigener Erfahrungen vorzubereiten.






